Montag, 09. September 2013 / Lesung

Kulturbrücke mit Doris Wirth

19 Uhr, Stadtbibliothek, Rindergasse 6

 

Doris Wirth, geboren 1981 in Zürich, lebt seit 2010 in Berlin. Sie hat Germanistik, Filmwissenschaft und Philosophie studiert. Für die Arbeit an „Ausgekippt im All“ wurde sie mit einem Werkjahr des Kantons Zürich ausgezeichnet. 2012 war sie Stadtschreiberin in Rottweil. Ihr Debüterzählband erschien im April 2013 in der Edition Thaleia.

 

„Wir sind alles nur Sterne. Ausgekippt im All. Oder Moleküle. Die sich kurz verbinden, bevor sie weiterdriften.“ Dies erkennt die junge Frau in der Titelgeschichte des Erzählbandes von Doris Wirth eines morgens. Sie ist aus der Schweizer Provinz in die Großstadt Berlin gezogen, die Stadt der Träume und Versprechen. Doch die Versprechen erfüllen sich nicht. Die Begegnungen bleiben flüchtig und das Gefühl der Fremdheit kann die Frau auch in der neuen Stadt nicht abschütteln. Es begleitet sie durch die Tage und Nächte, so sehr sie auch versucht, sich die Umgebung anzueignen. Es nistet sich in ihr ein und schleicht sich in die Beziehung zu ihrem Geliebten, den sie in der Heimat zurückgelassen hat und von dem sie sich zu lösen versucht.


Die Fremdheit ist typisch für viele Figuren dieser Erzählungen. Es ist nicht nur eine Fremdheit der Weitgereisten, nicht nur eine Fremdheit der Zugezogenen, Ein- oder Ausgewanderten. Nicht nur der palästinensische Mitbewohner in der Geschichte „Einziehen“ ist fremd, nicht nur die deutsche Ärztin in der Bundeshauptstadt Bern in „Wassertage“. Viele unter ihnen sind durchdrungen von einer existenziellen Unzugehörigkeit: Ihr eigenes Leben erscheint ihnen unverwandt, als hätten sie es noch nicht in Beschlag genommen, als stünde es herum wie die Kartonschachteln in der eben erst bezogenen Wohnung. So sehr sie sich auch bemühen, über romantische Projektionen, Begegnungen oder Erinnerungen Sinnzusammenhänge zu stiften – ganz gelingen will es ihnen nicht. Etwas bleibt verschoben, verloren vielleicht gar – und loswerden lässt sich die Fremdheit nicht, nicht einmal in der Fremde.

 

Doris Wirth liest aus Ihrem Erzählband „Ausgekippt im All“.
Die Bibliothek sorgt für den Apéro. Herzlich willkommen!

 

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